DAS MEERSCHWEINCHEN
In Italien und Frankreich heißen sie indische
Schweinchen, die Spanier nennen sie indische Kaninchen,
in England muss man nach Guinea Pigs fragen, wenn
man ein Meerschweinchen haben will. Nur bei uns heißen
die kleinen Nager "Meerschweinchen." Woher
das kommt?
Eine Theorie besagt, dass die Tiere nach der Entdeckung
Südamerikas, ihrer Heimat, von den Spaniern und
Portugiesen mit nach Europa gebracht wurden. Da die
Eroberer zunächst dachten, sie hätten Indien
gefunden, erhielten die Schweinchen bei ihnen die
Ortsangabe indisch. Bei uns in Deutschland gaben wir
ihnen den Zusatz "Meer", weil sie über
selbiges zu uns nach Europa kamen. Ob´s stimmt?
In jedem Fall ist eines richtig: die Heimat der Meerschweinchen
(Cavia aperea) sind die südamerikanischen Anden.
Dort wurden sie vor ungefähr 5000 Jahren von
den indianischen Ureinwohnern domestiziert. Sie hielten
sie als Spielgefährten für ihre Kinder,
vor allem aber als Opfertiere und guten Fleischlieferanten.
Noch heute steht in einigen Gegenden Südamerikas
das Meerschweinchen auf dem Speiseplan. Die Conquistadores,
die spanischen Eroberer, brachten die possierlichen
kleinen Tierchen im 16. Jahrhundert auf ihren großen
Segelschiffen mit nach Europa.
Wilde Meerschweinchen gibt es auch heute noch in
Peru, Ecuador und Kolumbien. Sie leben als Pärchen
oder auch im Harem (mehrere Weibchen mit einem Bock)
zusammen. Sie sind tagaktiv und verstecken sich bei
Gefahr in dichter Vegetation, Gebüsch und Unterholz.
Sie bauen keine Höhlen, wie etwa Kaninchen. Meerschweinchen
haben eine ausgefeilte Sprache, sie verständigen
sich durch unterschiedliche Pfeif, Gurr und Quietschlaute
untereinander.
Meerschweine sind 63 bis 72 Tage tragend. Die Babys
wiegen ca. 100 Gramm und werden mit offenen Augen
und schon mit Fell geboren. Sehr schnell nach der
Geburt sind sie agil und rennen herum. In einer kleinen
Meerschweinkolonne folgen sie bald der Mutter zum
Spaziergang. Meerschweinchen vermehren sich schnell:
aus zwei Schweinchen kann innerhalb eines Jahres eine
Population von 100 Tieren werden. Sie können
bis zu 11 Jahre alt werden.
Meerschweinchen kommen in vielen Farbvariationen vor.
Es gibt sie mit kurzem und mit langem, sehr seidigem
Fell. Manche haben rote Augen.
Meerschweinchen sind nicht gern allein
Die Haltung von Meerschweinchen in Haus oder Wohnung
ist nicht kompliziert. Doch eines sollte man nie vergessen,
Meerschweinchen sind gesellige Tiere, sie mögen
es nicht allein zu leben. Deshalb sollten möglichst
immer zwei zusammen leben: zwei Weibchen oder zwei
Männchen freunden sich schnell an und eine ungezügelte
Vermehrung ist ausgeschlossen. Kaninchen werden als
passende Partner für ein Meerschweinchen angesehen.
Dem widersprechen Biologen vehement. Kaninchen und
Meerschweinchen haben zwar ähnliche Lebensweisen
und Futtergewohnheiten, doch Kaninchen sind größer
und benehmen sich oft zu dominant, was gefährlich
werden kann. Außerdem sind sie nachtaktiv und
halten so die Meerschweinchen von ihrem Schlaf ab.
Meerschweinchen stehen im Zusammenleben mit Kaninchen
meist unter Stress.
Der Käfig
Meerschweinchen brauchen viel Auslauf, sie sind aktiv
und rennen gern und viel. Freilauf außerhalb
des Käfigs ist wichtig. Der Käfig für
ein Meerschweinchen muss mindestens 80 cm x 40 cm
groß sein und an einem hellen Ort stehen. Für
zwei Tiere mindestens 100 x 50. Ein Rand von ca. 15
cm schützt vor heraus geschmissenem Dreck. Der
Boden sollte aus einem gut auswaschbarem Material,
am besten Plastik, bestehen, damit der Urin vollständig
entfernt werden kann, sonst stinkst, vor allem zu
warmen Jahreszeiten.
Gitterstäbe dürfen nicht zu weit auseinander
stehen (Verletzungsgefahr) und dürfen nicht lackiert
sein. Lack könnte das Tier abknispeln und fressen.
Hohe, undurchsichtige Wände, etwa aus Holz, sind
nicht empfehlenswert. Meerschweinchen sind neugierig
und beobachten gerne, was außerhalb ihres Käfigs
vor sich geht. Auch kann der Besitzer sie nicht beobachten
und Kontakt zu seinen Schützlingen aufbauen und
halten.
Als Einstreu haben sich gepresste Späne bewährt,
sie sind besonders saugstark. Aber auch Sägespäne
tun es. Zeitungspapier pappt meist durch den Urin
am Boden fest und wird gefressen, was nicht unbedingt
gesund ist.
Meerschweinchen machen gerne in die Ecken ihres Käfigs.
Es gibt extra Schalen, die man in die Ecken einsetzen
kann - eine wirklich gute Idee.
Die Unterkunft zum Verstecken und Schlafen sollte
keine zu kleine Öffnung haben. Häuschen
aus Holz sind besser als Plastik, denn da kann auch
am Haus geknabbert werden, was den Zähnen gut
tut. Ebenso sind Bretter (unbehandeltes Holz natürlich
und ohne Lack), schräg an den Außenwänden
angebracht, zum Verstecken und Knabbern geeignet.
Ganze Tunnelsysteme können damit gebaut werden.
Auch sind mehrere Etagen mit Treppchen schön
zum herum tollen und eine gute Medizin gegen die Langeweile.
Meerschweinchen sind gerne in der Nähe ihrer
Besitzer, denn da ist was los und sie können
ihre Neugier durch Beobachten befriedigen.
Fressen und Trinken
Der Freßnapf sollte fest stehen und nicht zu
groß sein, sonst wird er evtl. als Klo benutzt.
Und natürlich auch keinen zu hohen Rand haben.
Eine an der Käfigwand in der richtigen Höhe
angebrachte Trinkflasche mit Nippel ist einem Wassernapf
vorzuziehen. Für junge Meerschweinchen muss das
Loch im Nippel klein sein.
Ein Salzstein ist lebenswichtig für Meerschweinchen,
er sollte aber aus hygienischen Gründen nicht
auf dem Boden des Käfigs liegen. In der Nähe
der Trinkflasche am Käfigrand ist er am besten
angebracht. Für die Zahnpflege muss es einen
Kalkstein geben. Heu in guter Qualität ist das
Hauptnahrungsmittel, ebenfalls gut für die Zähne
und sollte immer in ausreichender Menge vorhanden
sein. Es gibt kleine Metallraufen die am Käfigrand
innen angebracht werden können. Aber Vorsicht!
Junge Meerschweinchen könnten hinein klettern
und sich verletzen. Plastikschalen außen am
Gitter anzubringen, ist gut. Sie verhindern dass das
Heu aus dem Käfig fällt.
Zusatzfutter (Futtermischungen + Pellets) dürfen
nur sparsam (ein Esslöffel am Tag) zusätzlich
zum Heu gefüttert werden. Die ursprüngliche
Heimat der Meerschweinchen war karg und Futter gab
es nicht im Überfluss. Heu und Gräser waren
das Einzige was es gab. Obst oder Gemüse, Nüsse
und ähnliches gab es fast gar nicht. Wenn wir
heute zuviel nahrhaftes, eiweißhaltiges Futter
zur Verfügung stellen, wird das Schweinchen nur
fett und langfristig krank. Also bitte nicht täglich
gehäufte Freßnäpfe. Besser ist ab
und an frisches Gras, (keinen Klee), ein paar Obstbaumzweige
und altes trockenes Brot zum knabbern für die
Zähne. Höchstens alle drei Tage ein bisschen
Gurke oder mal ein Salatherz oder Löwenzahn.
Delikatessen wie Möhren, Äpfel, Birnen,
Petersilie, Paprika, Kohlrabi, Rote Beete, Tomaten
ebenfalls nur ab und an füttern. Kohl und Klee
am besten gar nicht, sie führen zu Blähungen
und Bauchweh.
Bei eventuellem Durchfall, nicht gleich zum Arzt rennen.
Zuerst sollte das Zusatzfutter eingespart werden und
nur noch Heu gefüttert werden. Das löst
das Problem meistens und zeigt, dass zu viel "Leckeres"
ungesund ist. Vitamin-C-haltige Nahrung ist lebenswichtig.
Man kann das Vitamin auch im Wasser zusetzen. Zuviel
davon ist unschädlich, es wird einfach ausgeschieden.
Pflege und Krankheiten
Wichtig für gesunde Meerschweinchen ist Beschäftigung
mit Ihnen. Regelmäßiger Auslauf und Spiel
fördert die Zutraulichkeit. Der Käfig von
Meerschweinchen muss alle 2-3 Tage gereinigt werden.
Altes Futter entfernen und die Kloecken sorgfältig
putzen. Ab und an ist eine Grundreinigung und frisches
Einstreuen wichtig. Alle Wege und Schlafhäuschen
sauber machen. Natürlich müssen Näpfe
und Trinkflasche immer sauber sein.
Langhaar-Meerschweinchen müssen regelmäßig,
täglich, gekämmt werden. Bitte nur weiche
Bürsten benutzen und niemals gegen den Strich
bürsten. Verfilzte Stellen herausschneiden nicht
kämmen, das tut dem Tier weh. Kurzhaarige Tiere
lieben es ebenfalls gebürstet zu werden, aber
es ist nur in der Zeit des Haarwechsels wirklich nötig.
Baden ist schädlich. Meerschweinchen reinigen
sich selbst am besten.
Kontrollen der Zehennägel und Länge und
Zustand der Zähne sind essentiell. Zehennägel
können vorsichtig beschnitten werden: schräg
und vor der Ader in der Kralle abschneiden. Zu lange
oder schiefe Zähne dürfen nur vom Tierarzt
behandelt werden, spätestens alle drei Monate.
Ohren können mit einem feuchten Tuch vorsichtig
gesäubert werden, niemals mit Q-Tipps in die
Ohrmuschel gehen.
Trockene Nasen und glänzend, nicht nässende
Augen zeugen von Gesundheit. Sollten Augen verklebt
sein, kann man sie vorsichtig feucht reinigen. Sind
Augen ständig verklebt und läuft die Nase,
muss der Tierarzt besucht werden. Genau so bei Fellproblemen:
lichte oder kahle Stellen können durch Milben,
Parasiten oder Pilze hervorgerufen werden.
Zusammenfassung
Glückliche Meerschweinchen leben in abwechslungsreich
eingerichteten Käfigen mit vielen Verstecken
und Blick auf die Umgebung. Sie laufen täglich
für eine gewisse Zeit frei herum und haben Jemanden
der regelmäßig mit ihnen spielt. Am liebsten
leben sie mit einem anderen Meerschweinchen als Gefährten.
Ihr Käfig ist mindestens 80 x 40cm groß
und steht hell. Es ist immer genug frisches Heu und
Wasser vorhanden und etwas (Kalkstein, Obstbaumästchen)
zum Zähne pflegen. Ab und an gibt es frisches
Obst oder Gemüse und nur wenig Zusatzvollnahrung.
Regelmäßig wird das Fell mit einer weichen
Bürste gepflegt. Und der Käfig wird spätestens
alle zwei Tage von Kot und Urin gereinigt.
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