Eine Eule war ihr Schicksal
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Christian und
Diana Erdmann
Diana studierte Architektur, als sie
bei einem Spaziergang eine Eule fand, die der Sturm
aus dem Nest geweht hatte. Sie brachte das Tier
zu einer Vogelstation- und lernte dort Christian
Erdmann kennen, mit dem sie heute verheiratet ist.
Diana schmiss das Studium, pflegte mit Christian
ihre Schicksals-Eule "Gisbert" - und beide
bauten schließlich die Vogel- zu einer Wildtierstation
aus: ein blaues Häuschen mit Gehegen auf rund
zwei Hektar wild bewachsene Grund.
Ob Hase, Reh, Fuchs oder Waldkauz: Wild lebende
Tiere können einmal in Not geraten. In der
Nähe von Hannover finden sie Hilfe. Christian
Erdmann und seine Frau Diana haben es sich zur Aufgabe
gemacht, kranke, verletzte oder verwaiste Tiere
zu pflegen. Für die Umweltschutzorganisation
" Terra Mater Wildtierhilfe" ziehen sie
Tiere auf. "Oberstes Ziel ist für uns,
sie wieder in die Natur zu entlassen, wenn das möglich
ist", erklärt Diana.
Erwartungsvoll spitzt das drei Monate
alte Fuchsbaby die Ohren. Mit seinen großen
Augen schaut es gespannt auf die Tür. Kaum
hat Tierpfleger Christian Erdmann das Gehege betreten,
springt das Fellknäuel auf ihn zu und bricht
in ein ohrenbetäubendes Geschrei aus. "Das
ist unser Quietschi", erklärt der 41-jährige
lachend. "Der Kleine freut sich über jeden
Besuch so, dass er losbrüllt wie eine Alarmanlage
- am liebsten würde er den ganzen Tag schmusen
und Toben!" Doch dafür bleibt Christian
Erdmann kaum Zeit: Zusammen mit seiner Frau Diana(41)
führt der gelernte Tierpfleger seit einem Jahr
eine Auffangstation für Wildtierbabys. Neben
den Füchsen, "Quietschi", "Alfred"
und "Peter" leben hier, in Lindwedel bei
Hannover, weitere 125 Jungtiere aller Arten. Auf
dem Gelände zwischen Wiesen und Wäldern
gelegen, fühlen sich die Tierkinder pudelwohl.
"Auch wenn es uns schwer fällt, dürfen
wir die Jungen nicht zu sehr an Menschen gewöhnen",
erklärt Diana ."Bei uns werden sie nur
so lange gesund gepflegt und aufgepäppelt,
bis sie wieder in die Wildnis entlassen werden können."
Das funktioniert leider nur bei der Hälfte
aller Tierbabys. Denn einige sind durch falsche
Aufzucht schon viel zu zahm. Dazu gehört auch
Fuchs "Quietschi", der in einer Berliner
Wohnung! Gehalten wurde. Für ihn und exotische
Tiere wie Reptilien, Papageien oder Raubtiere ist
später nur eine Unterbringung in Tierparks
möglich. Hunde, Katzen und Vögel werden
dagegen an Privatleute vermittelt. Doch wie landen
die Kleinen eigentlich bei den Erdmanns? Dazu Christian:
"Ich fahre täglich ungefähr 300 Kilometer
um Tierbabys einzusammeln. In den meisten Fällen
melden sich Tierheime, bei denen die Jungen abgeliefert
wurden. Aber auch bei uns zu Hause steht immer mal
wieder jemand mit einem Pflegefall vor der Tür.
Zum Beispiel gibt es viele Rehkitze, die durch Verkehrsunfälle
ihre Mutter verloren haben oder selbst schwer verletzt
worden sind. Aber auch Vögel oder junge Wildschweine
sind keine Seltenheit". Wie zum Beweis kommt
"Thorsten" angetrippelt. Grunzend schnüffelt
das acht Wochen alte Wildschweinbaby nach Futter
und reibt dabei sein borstiges Fell an Christians
Bein. "Er ist seit einem Unfall blind und bleibt
bei uns", erklärt der Tierpfleger. Auch
der elf Jahre alte Mischlingshund "Ernie",
die ängstliche Mopshündin "Mariechen"
und eine Handvoll anderer schwer vermittelbarer
Tiere haben bei Christian und Diana für immer
ein liebevolles Zuhause gefunden.
"Unsere größte Sorge
ist das Geld", sagt Diana. 400 Euro kostet
es allein ein Reh aufzuziehen. Terra Mater trägt
die Hauptkosten, aber oft reicht es trotzdem nicht.
Darum arbeitet Diana nebenbei freiberuflich in einem
Architekturbüro. Diana:" Finanziell lohnt
sich unsere Arbeit nicht. Aber so darf man nicht
denken".
Zum Abschied sagen beide übereinstimmend:
"Die Auffangstation ist ein 24-Stunden-Job
ohne Freizeit oder Urlaub. Aber für uns gibt
es nichts Schöneres als ein Leben mit den kleinen
Schützlingen!"
Denn Tiere sind Christian und
Dianas Leben.
Wer künftig bei der Industrie-
und Handelskammer Hannover seine Prüfung zum
Haus- und Versuchstierpfleger oder zum Zootierpfleger
bestehen möchte, muss nun auch den Leiter der
Terra Mater Wildtierhilfe Lindwedel von seiner Sachkenntnis
überzeugen. Christian Erdmann ist einstimmig
in den Prüfungsausschuss für Tierpfleger
bei der Industrie- und Handelskammer Hannover gewählt
worden. Der Zeitraum, dem er den Ausschuss angehört,
beträgt zunächst fünf Jahre. In der
Wildtierstation Lindwedel freut man sich über
die Bestätigung der Kompetenz des Leiters -
zumal an der Wahl in den Prüfungsausschuss
auch namhafte Zoos aus ganz Niedersachsen wie etwa
Vogelpark Walsrode, Zoo Osnabrück und Zoo Hannover
beteiligt waren.
"Wir sind ein anerkannter Ausbildungsbetrieb
für den Beruf Tierpfleger und bieten für
junge Menschen Weiterbildung und Ausbildung im Bereich
Tierpflege an. Durch die gute Zusammenarbeit mit
den Tierschutzvereinen Hodenhagen und Hannover und
den hieraus entstandenen Praktikumsplätzen
bietet unsere Ausbildung ein umfangreiches Wissen
im Umgang mit Haus- und Wildtieren", so Erdmann
über die Lindwedeler Terra Mater Wildtierstation.
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Die Auffangstation in Lindwedel
sowie eine weitere in Rastede bei Oldenburg/Niedersachsen
werden von dem Umwelt- und Tierschutzverein "Terra
Mater" finanziert. In Kürze ziehen Christian
und Diana mit ihren Tieren nach Dorfmark in die
Heide, zwischen Hamburg und Hannover. Dieses neue
Gelände hat eine Größe von 16 Hektar.
Wir werden nach dem Umzug über die neue Station
berichten.