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Das Problem mit der Weidehaltung 


Gut gemeinte aber laienhafte Wahrnehmungen von Tierfreunden

Eigentlich nur im Winter werden meine Kollegen und ich mit Meldungen über schlecht gehaltene Tiere überhäuft. Rinder ohne Futter, Pferde ohne Wetterschutz-Unterstand, Schafe oder Ziegen ohne Wasser etc. Spaziergänger, die solche Wahrnehmungen machen, rufen in unserem Hamburger Büro an.

Oft stehen wir dann tatsächlich fassungslos vor kranken, ausgemergelten und erschöpften Tieren, die von ihren Besitzern einfach unversorgt alleine gelassen wurden. Und natürlich handeln wir dann sofort. Und, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir freuen uns über die Aufmerksamkeit der Tierfreunde. Sie hat schon so manches Tierleid sehr kurzfristig beendet.

Aber wie abgebrochen sind solche Meldungen, wenn im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen heraus kommen und die Weiden sich grün färben. Dabei geht es vielen Tieren im Sommer nicht besser als im Winter. Sie leiden in der Hitze des Tages unter Wassermangel, können oft nicht einmal unter einem Baum Schatten finden. Schafe, die nicht geschoren werden, Rinder, die von dem wenigen Gras nicht mehr satt werden, Pferde mit Verletzungen oder viel zu langen Hufen. Der Laie geht eben davon aus, dass, sobald es ihm selbst besser geht, die Frühlingssonne ihn wärmt, es den Tieren auch besser geht.

Das ist nicht ganz so. Die sympathisch laienhaften Ansichten gilt es hier einmal zu ordnen: Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Tiere auch im Winter auf der Weide sind. Voraussetzung: Das Umfeld muss stimmen. Das heißt, es muss ausreichend Futter und Wasser vorhanden sein und es braucht einen Wind- und Wetterschutz, damit die Tiere sich unterstellen können. Auch eine vernünftige und regelmäßige tierärztliche Versorgung muss gewährleistet sein.

Aber ich würde mir wünschen, dass den Menschen zu jeder Jahreszeit auffällt, wenn es einem Weidetier schlecht geht. Das ist nämlich gar nicht so schwer. Einen Blick in den Wasserbehälter zu werfen, um festzustellen, ob er gefüllt ist, verlangt nicht viel. Auch den Zustand einer Weide kann auch ein Laie leicht erkennen. Ist der Zaun in Ordnung oder können sich die Tiere daran verletzen? Gibt es einen Baum, der bei brütender Hitze Schatten spendet, oder sogar einen Unterstand? Ist eine Weide mit Brennnesseln oder Disteln übersät und dazwischen überall kahle Stellen? Das ist eine schlechte Weide, denn die Tiere haben kaum ausreichend Futter zur Verfügung.

Schafe mit dickem Wollkleid im Hochsommer waren im letzten Jahr mehrfach Gegenstand von Anzeigen, die Terra Mater gegen den Besitzer einreichte. Denn die Tiere leiden Qualen unter der Hitze wie wir bei 27 Grad mit drei Winterpullovern. Pferde, bei denen man die Rippen zählen kann, haben über längere Zeit nicht genug Futter gehabt.

Sollten Sie solche Zeichen von Tiernot bei Ihren Spaziergängen erkennen, dann machen Sie zunächst den Besitzer auf den Missstand aufmerksam. Wenn der sich uneinsichtig zeigt, informieren Sie das zuständige Veterinärsamt bei der Stadt oder die Polizei.

In jedem Fall dürfen Sie aber sicher sein, dass die Zustände überprüft und bei wirklichem Bedarf abgestellt werden, wenn sie im Terra Mater-Büro in Hamburg anrufen.

S. Salzmann


 
 
  

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