VON I. RAAGAARD und A. HOLSTEIN /Bild-Zeitung

Norwegische Fischer ziehen einen getöteten Wal auf das Fischerboot. Die Waljagd bedeutet für die Tiere qualvolles Massensterben. Links Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (36).
Oslo – Es ist eine widerwärtige, blutige und sinnlose Jagd! Im Atlantik erreicht die Walfang-Saison in diesen Tagen ihren Höhepunkt: 1286 Wale dürfen laut Quote bis Ende August getötet werden. Im letzten Jahr waren es nur 484 Tiere.
WARUM NUR?
Norwegen ist neben Japan die größte Walfang-Nation. Trotz internationaler Proteste beharren die Skandinavier darauf, die hochintelligenten Meeressäuger zu jagen.
Die Politik und das Königshaus sehen tatenlos zu. Prinzessin Mette-Marit, die sich gern für soziale Projekte engagiert, schweigt zu dem blutigen Treiben.
Auch die Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in der vergangenen Woche brachte keinen Durchbruch.
Dabei ist die Jagd auf Wale sinnlos – und brutal.
Mit Gewehren werden die Wale angeschossen, ihr Todeskampf an Deck kann Stunden dauern.
Bei der Jagd verletzte Tiere schwimmen tagelang verletzt durchs Meer, ehe sie elendig verrecken.
Fischer setzen ganzen Familien mit Sprengstoffharpunen nach.
Walexperte Volker Homes (41) vom WWF zu BILD: „Die Spitze der Harpune bohrt sich tief ins Fleisch, beim Aufprall explodiert eine Granate im Körper des Tieres.“
Muskeln und Innereien werden zerfetzt. Manche Wale haben das Glück, sofort zu sterben.
„Die meisten kämpfen stundenlang unter Höllenqualen um ihr Leben“, sagt Thilo Maarck (42) von Greenpeace.
Dabei gibt es kaum noch einen Absatzmarkt für Walfleisch. Greenpeace-Experte Maarck: „Norweger essen schon lange kein Walfleisch mehr. Es vergammelt in Kühlhäusern.“ 2009 wurden 163 267 Kilo Fleisch verkauft. Statistisch gesehen hat damit jeder Norweger gerade mal 34 Gramm Wal gegessen. Ein wenig Hoffnung für die Zukunft: Auch in Japan bricht der Absatz ein.
Thilo Maarck: „Für mich ist der einzige Weg, den Walfang zu stoppen, das Ausbauen der Handelsverbote. Wenn die Walfänger auf dem Fleisch sitzen bleiben, hören sie irgendwann auf.“
Bericht + Fotos: Bild-Zeitung