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Aus Köln wird der erste Botulismusfall der Saison gemeldet. Wir müssen damit rechnen, dass es jetzt weitere Auftreten gibt. Botulismus-Epidemien können verheerende Wirkungen haben und lokale Wasservogelbestände stark dezimieren! Vogelbeobachter sollten jetzt auf erkrankte Wasservögel achten! Oft lässt sich Schlimmeres verhüten.
Vogelbeobachter und Spaziergänger sollten vor allem bei Gängen entlang von Gewässern jetzt die Augen offenhalten. Tote Schwäne, Enten oder Gänse könnten Anzeichen für eine der gefürchteten Botulismus-Epidemien sein und sollten sofort bei der Feuerwehr oder dem Tierschutz gemeldet werden. Botulismus wird durch ein von Bakterien gebildeten Giftstoff verursacht.
Wer zum Beispiel einen toten Schwan oder einen Wasservogel mit eindeutigen Lähmungserscheinungen entdeckt, soll sofort die Feuerwehr oder den Tierschutz (siehe Telefonbuch!) anrufen. Kranke Tiere können noch gerettet werden, wenn die Vergiftung noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Auch badende Hunde können krank werden. Deshalb heißt es wachsam bleiben, bis die Temperaturen längere Zeit deutlich abgesunken sind.
Ganz falsch ist es in diesen Tagen, Schwäne und Enten mit Brot zu füttern, da die Zersetzung der Futterreste auf dem Seegrund die Vermehrung des Botulismus-Erregers noch begünstigt.
Botulismus tritt meistens im Hochsommer auf, in aller Regel während oder kurz nach einer längeren trockenheißen Wetterperiode. Flachwasserzonen und feuchter Schlamm erwärmen sich dann sehr stark - eine Grundbedingung für das Wachstum von Clostridium botulinum. Weitere wesentliche Voraussetzungen für das Wachstum von Clostridium botulinum sind eine sauerstofffreie Umgebung und ein eiweißreiches Nährsubstrat. Beides findet sich häufig in von Natur aus in überdüngten Gewässern. Nährstoffeintrag fördert das Wachstum von Algen, Wasserpflanzen und Kleintieren, besonders in den Flachwasserbereichen. Durch Atmung und Zersetzung von Biomasse wird Sauerstoff verbraucht; Fische und wasserlebende Kleintiere sterben an Sauerstoffmangel und sind so ein ideales Nährmedium für Clostridium botulinum. Für den Ausbruch einer Botulismusepidemie reichen entsprechende Bedingungen in kleinflächigen "Botulismusherden" aus, etwa in flachen Uferzonen oder strömungsarmen Buchten. Solche Bereiche erkennt man oft an Faulschlammbildung und schleimigen Algenwatten.
Das von einer Bakterienart "Clostridium botulinum" produzierte Gift gilt als das stärkste bekannte Gift überhaupt. Theoretisch genügt ein einziges Gramm, um zehn Millionen Menschen zu töten. Das Gift blockiert die Informationsübertragung innerhalb des Nervensystems und zwischen Nerv und Muskel und führt daher zu schweren Lähmungen. Der Tod tritt durch Lähmung von Herz und Atmung ein.
Die bisher schlimmste Epidemie in der Bundesrepublik vernichtete 1983 in der Wedeler Marsch bei Hamburg mindestens 40.000 Vögel. In den USA sind solche Massensterben bereits seit Anfang des Jahrhunderts bekannt. Doch nicht nur Vögel erkranken. Vielmehr können alle Arten von Wirbeltieren davon betroffen sein - vom Kleinfisch bis zum Großsäuger. Beim Menschen ist die Erkrankung auch als "Wurstvergiftung" bekannt. Vom lateinischen Wort "botulus" für Wurst leitet sich der Name Botulismus ab.
 Botulismus-Bakterien
 Höckerschwäne sind oft die ersten sichtbaren Opfer
einer Botulismus-Epidemie.
Text und Fotos: Birdnet.de |